Normabweichung

Friederike Knabbe

Willkommen am Stand mit den Mängelexemplaren! (Chbosky, 1999)

Das war der erste Gedanke hinter der Installation, die als Video mit der Laufzeit von 2:42 Minuten präsentiert wird. Durch diesen Grundgedanken war die Wahl des Grundmaterials – des Holztisches – schnell getroffen. Die Idee entwickelte sich weiter zu einer Reflexion von Nonkonformität in einer leistungsorientierten Gesellschaftsnorm. Die Gesellschaftsnorm wird in der Installation durch ein Tor in der Mitte des Tisches abgebildet.

Die Leistungsgesellschaft wird durch eine Eisenkette mit sieben genormten Stahlstücken dargestellt. Die Wahl der Werkstoffe sind eine industrielle Allegorie und spielen auf Fabrikabläufe an. Bis auf ein Stahlstück passen alle weiteren durch die Norm. Das sechs Zentimeter längere Stahlstück – das Individuum – jedoch nicht, es bleibt am Tor hängen. Im Video findet daher ein Bezug zum 16-mm- Farbfilm Der Lauf der Dinge von Peter Fischli und David Weiss statt, das eine lückenlose Kettenreaktion zeigt. In dem Werk Normabweichung funktioniert im Gegensatz dazu nicht alles. Das Individuum hakt, funktioniert nicht und fällt aus dem genormten Schema. Als Folge blockiert auch der Antrieb, der mittels zweier Wellen, einer Kettennuss und einer Kurbel funktioniert. Sobald das individuelle Stahlstück entfernt ist, läuft der Ablauf wieder reibungslos.

Allerdings war es mir wichtig auf die Individualität einzugehen. Denn schon kleine Normabweichungen – wie beispielsweise Erkrankungen – lassen Menschen nicht mehr so funktionieren, wie es in einer Leistungsgesellschaft gefordert wird. Dabei machen meiner Meinung nach gerade Individuen die Gesellschaft aus.